Litauen - Interessantes und Reiseberichte


Das Land am Nemunas (früher Memel)Litauen Fahne

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Über Litauen (Lietuva):


Über Litauen wissen heute nur wenige Deutsche etwas zu sagen. Dabei hat Litauen durchaus einen Bezug zu Deutschland. Litauen war einmal zum Teil von Deutschen besetzt, das frühere Memelland. So sind einige Hinweise aus dieser Zeit noch zu finden. Der Fluss Memel heisst Nemunas und die Stadt Memel nun Klaipeda. Litauen gehört übrigens zu den drei baltischen Staaten, und ist erst Anfang der '90er Jahre unabhängig geworden. Gerd Ruge berichtete damals aus Litauen, als es zu Unstimmigkeiten mit Russland wegen der Unabhängigkeit kam.
Gespräch am schweizer Zoll: "Was führen Sie mit?" - "Reisegepäck und Geschenke" - "Wohin geht die Reise?" - "Litauen" - "Was ist das...?" - "Das ist eines von den drei baltischen Ländern..." - "Gut, weiterfahren!"

Das Bier (Alus):

Es wird vielleicht manchen überraschen, aber Litauen hat eine richtige Bierkultur. Es gibt dort eine erstaunliche Anzahl an Biersorten und diese sind so verschieden wie in Deutschland. Oft sind Starkbiere erhältlich, die mehr als 7,5% Alkohol enthalten, auch helle Sorten.
Ich selbst habe noch lange nicht alle Sorten probiert, da es in Deutschland schwer erhältlich ist. Es schmeckt jedoch meistens vorzüglich, und holt sogar internationale Preise. Wer interessiert ist, kann z.B. bei www.svyturys.lt (Klaipeada) oder www.utenosalus.lt vorbeischauen.
Jedenfalls ist für alle Biertrinker das Probieren ein Muß.

Der Kaffee (Kavos):

Es gibt in Litauen eine Art Kaffee zu trinken, die sich mir (und auch den Litauern) als "litauischer Kaffee" im Gedächtnis geblieben ist. Das ist meistens "Jacobs Krönung" Kaffepulver in der Tasse oder Kanne aufgebrüht. Das spart doch erheblich an Aufwand. Nur das Filtern mit den Zähnen braucht Übung...

Wer eine Reise tut:

Nach Litauen zu Reisen ist eigentlich sehr einfach wenn man weiss wie. Nur die grosse Distanz ist nicht zu vernachlässigen. Wer schnell mal für ein paar Tage dort hin will, der sollte mit dem Flugzeug reisen. Dafür gibt es verschieden Flugverbindungen nach Vilnius in teils recht unterschiedlichen Preislagen. Das reicht von Sonderangeboten im Internet ab 175,- Euro plus Kosten, bis zu ca. 1500 Euro. Wer sich Mühe macht zu suchen und flexibel ist, kann so doch einige Euro sparen. Und schnell geht es auch noch. Stuttgart - Vilnius direkt sollte in ca. 3 Stunden möglich sein.
Mit dem Bus ist es am günstigsten, der Reisepreis (z.B. Stuttgart-Kaunas zurück ca 150 Euro) macht sich erstaunlich klein aus. Und bequem ist es allemal: Einsteigen und anderntags aussteigen. Es gibt verschiedene Busunternehmen, die nach oder über Litauen fahren. Die Linie der Eurolines fährt ca. 2 mal die Woche hin und zurück (www.eurolines.de). Dieses Busunternehmen fährt von mehreren Städten Deutschlands aus bis Kaunas und Vilnius, oder weiter. Hier sind moderne Fahrzeuge eingesetzt mit bis zu vier Fahrern, die sich bei der Fahrt abwechseln. Dafür dauert eine Reise dann (bei gutem Wetter) auch "nur" 24 -26" Stunden. Die Pausen sind kurz.
Auch die Minibus Unternehmen sind eine Möglichkeit zu Reisen. Das sind kleine Busse (wie Ford Transit) die verschieden "komfortabel" ausgebaut sind. Eigentlich sind solche Busse eher für Litauenkenner zu empfehlen, da man mit so manchen Eigenheiten zu rechnen hat. Sei es, dass der Bus voll ist, oder grosse verspätung um einen Tag hat, oder defekt liegenbleibt oder wegen Übermüdung irgendwo mehrstündige Pausen eingelegt werden. So kann es durchaus zu 46 Stunden Reisen und mehr kommen, sofern man mit dem gleichen Bus ankommt. Dafür holen diese Busse einen auch in der eigenen Stadt ab und fahren dorthin wo man möchte. Nur tun die das auch für andere, und so kann es dazu führen, dass man viel von Deutschland sieht, bevor es wirklich weiter geht.
Mit dem Zug ist es durchaus möglich, zu reisen. Hier sind jedoch schon in Deutschland öfters Umsteigehalte in Kauf zu nehmen, sowie ein längerer Halt in Berlin und Warschau. Nicht jede Zugverbindung ist glücklich gewählt: Wer über München Prag reist, kann unter Umständen in Polen einen Anschlusszug nach Litauen erst am darauffolgenden Tag erwarten.
Mit dem eigenen Wagen bleiben natürlich sämtliche Freiheiten der Mobilität beim Urlauber erhalten. Zuvor ist jedoch ratsam, sich auf der Seite des Auswärtigen Amtes www.aa.de über Reisehinweise zu informieren. Es soll schon vorgekommen sein, dass Autos abhanden gekommen sind. Auch unser Wagen wurde versucht aufzubrechen. Aber das passiert in vielen Urlaubsländern, dementsprechend ist Acht zu geben und die Ratschläge des AA und der Litauer auch zu beherzigen.
In Polen sollte man nicht dicht hinter einem Lastwagen herfahren, um den Weg zu finden. Das wird als Verfolgung ausgelegt, und meist reagieren die Fahrer mit einem Stop bei der nächsten Tankstelle oder auf andere Art. Auch sollte niemand schreckhaft sein, wenn plötzlich grosse russische Laster hinter einem zum Überholen ansetzen. Meistens geht das gut.... Und was wohl die "Radarova" Schilder zu bedeuten haben? Jedenfalls ist es gut, genügend Sloty dabei zu haben.
Zu bedenken ist für so eine lange Autoreise natürlich die eigene Kondition und Möglichkeit des Fahrerwechsels. Grundsätzlich ist von einer Marathontour Kaunas -Stuttgart in 22 Stunden abzuraten. Deshalb ist es besser, irgendwo eine Nachtruhe einzuplanen. In Polen sollte dies in einem Hotel mit überwachtem Parkplatz sein, der nachts beleuchtet ist.
Wer mit dem tiefergelegten Sportwagen anfährt, wird bald merken, dass die Strassen nicht überall dazu geeignet sind. Es gibt Streckenabschnitte, die verdächtig nach Reparatur schreien. Die Schlaglöcher und Spurrillen suchen hier ihresgleichen. Auch ist Vorsicht mit dem Benzin angeraten: Dort gibt es noch 80 oktan Benzin und natürlich auch95 und 98 superplus. Einmal nur wollte der Wagen nicht mehr ausgehen, obwohl die Zündung ausgeschaltet war. Nachdieseln beim Benziner?
Aber einmal angekommen, kann man dort schnurgerade leere Strassen und Autobahnen durch scheinbar endlose Weiten genießen.
Mit dem Motorrad habe ich noch keine Reiseberichte.

Sportmöglichkeiten:

Litauen is relativ flach, und hat viel Schnee im Winter. Kurioserweise ist Schlittschuhlaufen deshalb meist nur in der Halle möglich. Inlineskating machen dort nur die jüngsten, weil die erwachsenen sowieso beim arbeiten sind und die Wege zum teil in einem allzuschlechten Zustand dafür. Auch das Radfahren ist dort nicht so verbreitet wie hier, teils auch wegen des Strassenzustandes.
Wer gerne Gleitschirm fliegt, der kann sich stundenlang damit vergnügen, bei gleichmässigem Wind ein paar Meter über dem Boden der Sanddünen der kurischen Nehrung bei Nida zu schweben.
Ansonsten schwärmen die Litauer häufig für Basketball, ist doch einer der ihren, Sabonis, Profi bei der NBA.
Wer weite urwüchsige Wälder sucht, ohne gleich eine Siedlung oder ein Haus zu sehen, der ist hier an der richtigen Adresse.
Im schneereichen Winter sind manche Blockhäuser im Wald nur noch mit den Skiern zu erreichen.

Das Essen:

Essen in Litauen ist kein Problem, es erinnert an die deutsche Küche, auch wenn es ein paar wenige Dinge gibt, die manchem Deutschen exotisch anmuten. Aber ich habe auch noch keinen Litauer dazu gebracht, hier saure Kutteln zu essen...
Es wird dort viel mit Kartoffeln gekocht, dazu auch Schweinefleisch oder Speck. Zepelinai z.B. sind ähnlich wie Kartoffelklösse halb&halb, gefüllt, länglich aussehend wie ein Zeppelin und schmecken gut. Allgemein hat die litauische Küche einen "schweren" Charakter wie die alte deutsche Küche. Zum Unterschied hierzulande ist das Fleisch und auch andere Produkte dort deutlich schmackhafter als die hier in den Supermärkten gekaufte.
Wer gerne süss ist, kann sich dort verwöhnen lassen. Es gibt an jeder Ecke eine Konditorei mit Cafe und süssen Leckereien. Den hier auch bekannten Baumkuchen sieht man dort fast überall. Jedenfalls ist es eine ernsthafte Gefahr für jede gute Figur... , speziell der Schokoladen "Kuchen", der aus Butter, Keksen und gesüsster Milch hergestellt wird.

Einkaufen:

Der Kurs des Litas wurde dieses Jahr (2002) auf den Euro fixiert, und beträgt 3,4528 Litas für 1 Euro. In Litauen gibt es nahezu alles zu kaufen, besonders in den riesigen Supermärkten wie Maxima. In Vilnius hat diesjahr ein neuer Hypermaxima eröffnet. Es erinnert stark an Frankreich mit seinen Supermärkten auf der grünen Wiese. Noch sind einheimische Produkte vergleichsweise billig zu haben. Importware kostet soviel wie in Deutschland auch. An der Küste gibt es überall auch Bernstein zu erstehen, hier ist ja auch die Quelle dafür. Lediglich die Zollbestimmungen machen einen Strich durch die Rechnung beim allzu grosszügigen Einkaufen.


Die Litauer:

Die Litauer zählen sich nicht zu den slawischen Völkern. Sie sind Balten und haben eine eigene Kultur und Sprache. Auf ihre Eigenständigkeit legen sie viel Wert, und wer sich ein bischen in die Geschichte einliest, erfährt doch allerhand interessantes. Auch dass wir deutsche Kreuzritter damals, im 13'ten Jahrhundert gegen sie verloren hätten...
Allgemein gelten sie als liebenswürdig und herzlich, wovon sich jeder vor Ort überzeugen kann. Die Gastfreundschaft ist durchaus ernst zu nehmen und ein Besuch schadet nie, es sei denn der eigenen Leber. So fällt es manchmal schwer, nein zu sagen.
Was mir, männlicherseits, auffiel, waren die vielen hübschen jungen Frauen in den Strassen der Städte, von denen einige trotz eisiger Kälte von -5° noch im Minirock unterwegs waren. Als Erklärung hierfür gaben sie mir die grosse Konkurenz an. Was darauf schließen lässt, dass es mehr Frauen als Männer gibt.
Jedenfalls fällt es nicht schwer, Anschluss zu finden, wenn man mal mit einem Litauer(in) Kontakt geschlossen hat. Das spricht sich schnell herum und schon sind viele Freunde(innen) da, um den Gast kennenzulernen. Anfangs mag etwas Schüchternheit eine leichte Hürde zu sein, aber wer sich nicht gerade unfreundlich und respektlos gibt, wird keine Probleme haben.

 

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Sprache:

Sprachlich ist das nicht ganz so einfach, wie mir manche Litauer glauben machen wollten. Die Unterschiede zwischen deutsch und litauisch sind doch erheblich. Im Supermarkt mag man ja noch etwas aus dem Regal nehmen können, aber spätestens wenn etwas gefragt wird, ist gleich Ende mit Globetrotterwissen. Sollte die Hoffnung auf Fremdsprachenkenntnisse der anderen nicht zutreffen, dann hilft nur noch jemanden Fragen.
Die Litauer haben in der Schule Englisch und auch Deutsch, deshalb trifft sich oft jemanden, der weiterhelfen kann. Und so kommt man schon wieder ins Gespräch und lernt neue Leute kennen.
Wer sich für die Sprache interessiert, muss sich schon etwas bemühen, da es in deutschen Buchläden nicht gerade eine Auswahl an litauischen Büchern gibt.
Hier ist oft Litauisch irgendwo nach Indonesisch und Kisuaheli zwischen Lingala und Madagassisch angelegt. Das ist insofern erstaunlich, da viele Deutsche in Litauen einmal ihre Heimat hatten.
Viel hilft so ein Buch nicht weiter, da braucht es schon was "dickeres". Und die Grammatik darf nicht fehlen, auch wenn der Gedanke an "sieben Fälle" schon weh tun kann. Das allein wäre nicht so schlimm, wenn es da nicht auch noch die sprachlichen Unterschiede in Litauen selbst gäbe... Aber nur Mut, die Litauer verstehen sich ja auch (nicht immer), also wird es irgendwann auch mal ein Fremder schaffen, diese Sprache zu beherrschen.

Polizei und Verkehr:

Litauen hat einige Autobahnen, und ist mit dem Auto recht gut zu befahren, abgesehen von den Schlaglöchern. Zu Beachten sind einige Dinge: Deutsche Autos sind "beliebt" und werden gerne genommen. Das trifft auch auf die eigenen Fahrzeuge zu, aber Deutsche gelten immer noch als reich.
Die Geschwindigkeitsbestimmungen sollten beachtet werden, auch wenn es andere nicht tun. Die wissen wie sie sich herausreden können, aber versuchen Sie mal auf litauisch, russisch oder polnisch ihr Fehlverhalten zu erklären. Da kann auch hier Freundlichkeit vielleicht weiterhelfen. Überhaupt werden ausländische Fahrzeuge gerne kontrolliert, was aber nur dem Diebstahl vorbeugen soll. Mitzuführen sind deshalb sämtliche Papiere mit internationalem Führerschein.
Achtung auf den Autobahnen: Fussgänger und Radfahrer! Langsam fahren bei Fussgängerüberquerungen über die Autobahn. Jemanden mitzunehmen ist dort noch üblich, da die Verbindungen nicht immer gut sind. Nur Nachts würde ich das nicht tun.

Dokumente und Zoll:

Die Wartezeiten sind für den ungeübten etwas lang. 2,5 Stunden bei eisiger Kälte am polnischen Zoll sind durchaus normal, es war schon schlimmer.
Auch kann die Formalität eine etwas verwirren, da zum Teil fünf Posten mit einem Laufzettel zu durchfahren sind, bevor man durch ist.
Reisepass ist Pflicht, aber Visum ist nicht mehr nötig. Nur für die russischen Gebiete wie Kaliningrad (Königsberg) und Weissrussland. Aber man kommt ja direkt von Polen nach Litauen oder über die Fähre.
Nicht vergessen sollte man eine Auslandskrankenversicherung, da es durchaus mal passieren kann, dass man krank wird.

Aktuell war, dass vermehrt die Reisebusse die aus dem Osten nach Deutschland kommen vom Zoll kontrolliert werden. Das passiert meistens an Raststellen und an den Haltepunkten. Es ist ratsam, das Gepäck entsprechend so gepackt zu haben, dass es leicht zu öffnen und zu durchsuchen ist. Sonst kann es auch mal länger werden und der Anschlusszug oder -bus ist weg. Die Regel gilt, wer meckert wird besonders gründlich kontrolliert.

 
   
   
Weitere Info zu Litauen:

Viel umfassendere Information finden Sie u.a. auf der Seite Litauen-Info - Dort gibt es auch Links zu vielen weiteren Seiten.

Für Litauer und die es verstehen: http://www.svetaine.de/
Für Litauer in Deutschland und die es werden wollen: http://www.vokietija.de/
Für die, die Litauer(-innen) kennenlernen wollen, oder auch Deutsche: http://www.svetaine.de/pazintys
Für litauische Mamas: http://www.mamos-svetaine.de/

Litauische Botschaft: http://www.botschaft.lt/
neu: http://de.urm.lt

Wer die Sprache nicht kann: http://led.ot.lt/webled/index.html

 

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© Frank König